Nutzgarten

So manch ein Freizeitgärtner widmet sich mit Hingabe, dem Gartenbau im eigenen Garten. Hier kann man sich ausprobieren. In den Gartenvereinen wird auch untereinander gewetteifert, wer den größten Kürbis, die längste Gurke oder den schwersten Kohlrabi besitzt. Im eigenen Garten kann sich jeder als, Pflanzenzüchter oder Gartenarchitekt betätigen. Kinder können sich hier austesten und vieles dabei lernen und entdecken.

Der Gartenbau hat eine lange Tradition.

Neben dem Gartenbau im heimischen Garten zur Selbstversorgung, gibt es auch Gartenbaubetriebe, die Dienstleistungen anbieten. Der Gartenbau beschäftigt sich dabei ausschließlich mit dem Anbau von Pflanzen. Es werden aber auch Dienstleistungen wie: Friedhofsgärtnerei, Innenraum- und Innenhofbegrünung angeboten.

Der Gartenbau im Kleingarten geht auf eine fast 200 jährige Tradition zurück. Damals gab es eine gewaltige Bevölkerungsexplosion. Um eine Verarmung, großer Teile der Bevölkerung, zu verhindern und das Ernährungsproblem zu lösen, wurden „Armengärten“ mit einer geringen Pachtsumme abgegeben. In Berlin gab es Laubenkolonien vom Roten Kreuz. Bekannt sind auch die Eisenbahnergärten und die „Berliner Arbeitergärten“. Der Ertrag des angebauten Gemüses und Obstes, sollte die wirtschaftliche Not der Bevölkerung lindern. Klar, dass der Gartenbau damals, hauptsächlich auf den Anbau von Nutzpflanzen ausgerichtet war.

Der Begriff „Schrebergarten“ geht allerdings auf eine andere Initiative zurück. Der Schuldirektor, Dr. Ernst Innozenz Hauschild errichtete 1865, eine Art Spielplatz, auf der Kinder unter pädagogischer Aufsicht spielen konnten. Dieser Platz wurde nach dem, 1861 verstorbenen, Leipziger Arzt Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber benannt. Auf dem Spielplatz wurden später Beete für die Kinder eingerichtet. Aus diesen wurden schließlich Familienbeete, die man umzäunte. Der Begriff „Schrebergarten“ war geboren. Und so wurde 1869 aus der Initiative ein Verein, mit einer Vereinssatzung.

Während und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg, war der Kleingarten wieder wichtiger Lieferant von Nahrungsmitteln.Der Gartenbau im Kleingarten bietet viele Vorteile. Er erfüllt ökonomische und soziale Funktionen. In Städten bieten die Kleingärten ein Rückzugsgebiet, aus der Betonwüste. Hier kann man im Grünen entspannen. Die Pflanzen binden Staub, lockern die Bebauung auf und verringern die Lärmbelastung. Die Gartenarbeit an frischer Luft, entspannt und kräftigt den Körper. Warum also ins teure Fitness-Studio gehen, wenn man auch beim umgraben oder Rasen mähen, seine Muskeln stählen kann. Der Kleingarten ist ein Spielplatz für Kinder. Hier erleben sie hautnah, wie die Natur wächst und gedeiht. Kinder können hier sehr anschaulich, die biologischen Prozesse in der Natur verstehen lernen. Sie sehen zu, wie Salat wächst. Erfreuen sich daran, wie Vögel ihre Jungen füttern. Am Gartenteich können sie auch Tiere erleben, die heute selten geworden sind, wie Frösche und Molche. Das gemeinsame Vereinsleben, wirkt der Vereinsamung von Menschen entgegen.
Angebaut werden im Gartenbau vor allem: Gemüse (Salat, Möhren, Kohlrabi) und Obst, wie Johannisbeeren, Kirschen, Äpfel, Birnen und vieles mehr. Auch Gewürze und Arznei- und Heilpflanzen findet man im Gartenbau. Heutzutage ist auch die Zucht einiger Speisepilzsorten, im Gartenbau möglich. Und was wären Valentins- und Muttertag, ohne Schnittblumen und Zierpflanzen. Gehölze und Hecken dienen als Staubfilter und bieten Brutmöglichkeiten für Vögel.

Im kommerziellen Gartenbau findet man sehr ertragreiche Pflanzensorten. Der Kleingärtner dagegen, kann auch mit exotischen Arten experimentieren. Er braucht nicht unbedingt auf den Ertrag und die Wirtschaftlichkeit zu achten. So können einige alte Gemüse- und Obstsorten, die im kommerziellen Bereich, aus ökonomischen Gründen nicht mehr angebaut werden, ihren Platz im Hausgarten finden. Alte Pflanzensorten, wurden verdrängt, weil sie z.B. nicht so ertragreich sind, ihre Früchte zu klein sind oder sie nicht maschinell verarbeitet werden können. Die Welternährungsorganisation schätzt dass in den letzten 100 Jahren, weltweit rund 75 % aller Kulturpflanzen verloren gegangen sind. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Kartoffelsorte: „Linda“, die vom Markt genommen werden soll.

Im heimischen Kleingarten könnten alte Kulturpflanzen eine neue Heimat finden. So würden die Kleingärten zu einem wertvollen, genetischen Reservoir für alte Kulturpflanzen werden. Vereine wie der „Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V“ widmen sich dem Erhalt alter Pflanzensorten. Zu den alten, kaum noch bekannten Pflanzensorten, gehören: Einkorn, Pastinaken und Blaue Schweden. „Blaue Schweden“ sind eine Kartoffelsorte, deren inneres Fruchtfleisch, violett ist. Das violette Fruchtfleisch verfärbt sich beim kochen blau.

Mit den alten Pflanzensorten, werden kulinarische Schätze wieder entdeckt.

Leider ist das Wissen um alte Kulturpflanzen im Laufe der Zeit verloren gegangen. Und so wird ihre Wiederentdeckung im Gartenbau, zu einer spannenden Detektivarbeit